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Route B 6 (gemäß Reisehandbuch): Oujda - Bouarfa - Figuig (Teil 3 von 4)

29.12. 2009 bis xx.01.2010

Aufenthalt in Figuig - Teil 1

Der schwarze Punkt rechts verrät, in welchem Winkel am Ende der marokkanischen Welt wir uns jetzt befinden - in FIGUIG, ausgesprochen Figig. Auf einer Höhe von 860 bis 930 m von Bergen umgeben liegt diese grüne Perle der Wüste im äußersten Südosten von Marokko wie eine Enklave. Im Norden, Osten und Süden befindet sich algerisches Staatsgebiet und nur über die Nationalstraße 17 ist Figuig mit dem "Rest von Marokko" verbunden. Die Provinzhauptstadt Bouarfa ,110 km entfernt, ist die nächste Stadt. Nach der Erhebung von 2004 hat Figuig 12.577 Einwohner - und laut der Broschüre "Figuig - la perle du desert" 190.000 Dattelpalmen! Dieser Broschüre habe ich einige Formulierungen und Informationen über Figuig entnommen und in diesen Bericht eingefügt.

110 km nach der Allee in Bouarfa sehen wir die nächsten grünen Bäume, als wir uns dem Stadttor der Oasenstadt Figuig nähern.

Dank der genauen Wegbeschreibung finden wir problemlos den Campingplatz am Hotel Figuig, auf dem es Stellplätze mit Stromanschluss für Wohnmobile zwischen den Olivenbäumen gibt.

Durch Swimming-Pool und saubere Sanitäranlagen mit warmer Dusche auf Bestellung (Ofen muss angeheizt werden) vom "Olivenwald" getrennt gibt es den "Palmenwald" als Zeltplatz, der auch für Geländewagen (hier im Zelt "eingebaut") erreichbar ist. Links davon geht es zum Hotel mit Café und Restaurant. Ein warmes Essen muss 2 Stunden vorher bestellt werden.

Nachdem wir das Ortszentrum durchquert und auf dem Campingplatz am Hotel Figuig eingecheckt haben, stellen wir erstaunt fest, dass es unterhalb des Platzes auch noch einen Ort gibt, teilweise hinter einem Wäldchen verborgen.

Von verschiedenen Stellen des Platzes hat man schöne Ausblicke auf die unterhalb liegenden Ortsteile mit Palmengärten und auf die Berge, die dieses Oasental umgeben.

Direkt unterhalb des Campingplatzes beginnen die Palmengärten - hier müsste man wohl eher von Palmenwäldern sprechen.

Dank der ausreichenden Wassermengen, des fruchtbaren Bodens und des günstigen Klimas gibt es "drei Etagen" mit landwirtschaftlichen Kulturen: Weithin sichtbar sind die hohen Dattelpalmen - mit dem Kopf im Feuer und mit den Füßen im Wasser. Darunter in der mittleren Etage stehen die kleineren Bäume wie Oliven, Aprikosen, Feigen und Granatäpfel. Darunter überwiegend im Schatten der Bäume ist der Boden bedeckt mit Gemüse, Getreide, Kräutern usw.

Hoch oben in den Gipfeln der Dattelpalmen wachsen die Früchte - und müssen hier geerntet werden.

Nachdem wir uns von der Anreise etwas erholt haben, rufen wir Klaus (den Oasenrentner) an, mit dem wir vor der Abreise aus Deutschland per E-Mail Kontakt aufgenommen hatten. Kurze Zeit später kommt er mit seiner Frau Miluda zum Campingplatz. Natürlich sind wir sehr gespannt auf seine Lebensgeschichte, die ihn in diesen Ort am Ende der (marokkanischen) Welt geführt hat.

Seit 1990 hat Klaus fast jährlich Motorradtouren durch Marokko gemacht. Dabei war er auch einige Male in Figuig und etwa im Jahr 2000 ist in ihm der Wunsch entstanden, in diesem schönen aber beschaulichen Ort fern vom Konsumstress in Deutschland seinen Lebensabend zu verbringen. "Hier in Figuig geht alles einen Gang langsamer als in der deutschen Hektik. Ich habe hier die Unbeschwertheit meiner Kindheit wiedergefunden.", erklärt Klaus seinen Umzug aus Deutschland nach Figuig.

So hat er sich denn umgeschaut und letztlich zum Kauf eines Hauses im Rohbau entschieden, das dann nach seinen Vorstellungen ausgebaut wurde. 2001 hat er es bezogen und kurz danach haben er und Miluda sich kennen- und liebengelernt.

Mit einer großen landestypischen dreitägigen Feier mit über 100 Gästen wurde 2002 geheiratet und seither leben beide in ihrem Häuschen in Figuig. Miluda hat zwar viele Verwandte in Figuig, den größten Teil ihres Lebens aber in Meknes gelebt - der Umzug auch für sie also eine Umstellung.

Übrigens: Wer hier noch eine Bleibe sucht - die obere Etage ist frei und kann gemietet werden! Den Sommer verbringen beide in Deutschland, besuchen "die alte Familie" von Klaus und seine geschiedene Frau, mit der sich Miluda gut versteht und bei der sie während ihres Deutschlehrganges gewohnt hat. Man kann sich mit Miluda sehr gut auf Deutsch unterhalten und sie hat uns zeitweise auch ohne Begleitung von Klaus durch den Ort geführt und all unsere Fragen beantwortet.

Rechts von Gaby sehen wir hier Miluda, Klaus und Miludas Schwester Fatiha bei unserem ersten gemeinsamen Ausflug.

Mit jedem Schritt in diesem Ort können wir die Entscheidung von Klaus besser verstehen!

Daran ändert auch der Besuch bei der Familie einer Cousine von Miluda nichts, der den Unterschied in den Lebensverhältnissen deutlich macht:

Was aus der Ferne noch recht "romantisch" aussieht ...

... und auch beim Betreten wie "großzüges Zelten" wirkt, ...

... ist in Wirklichkeit bitterste Armut, wie schon die "Zeltplanen" und die Wasserversorgung zeigen. Laut Klaus leben 20 bis 30 Familien unter solchen Bedingungen am Rande des Ortes.

Einige Hühner, ...

... zwei Ziegen und Gelegenheitsjobs des Vaters müssen irgendwie das Überleben sichern. Marokko ist allem Fortschritt zum Trotz ein Entwicklungsland, wenn auch eines der wohlhabendsten in Afrika. Aber der Lebensstandard der Mittelschicht liegt weit unter dem in Europa und es gibt weder Sozialversicherung noch "Hartz IV" für die Ärmsten der Armen! Aber es gibt auch keine Massenkriminalität - Diebstähle, Einbrüche, Raubüberfälle und - morde! Nochmal das Zitat von Klaus: "Ich habe hier die Unbeschwertheit meiner Kindheit wiedergefunden." - in der Zeit, bevor die Deutschen materiell reich wurden.

Trotzdem ist es kein Wunder, dass junge Frauen wie Miludas Schwester Fatiha (29 Jahre alt) davon träumen, einen deutschen oder französischen Ehemann zu finden und junge marokkanische Männer davon, dass eine europäische Frau ihnen das Ja-Wort gibt.

Wer als Tourist zum Beispiel dank Kontakt zu Klaus, Miluda und Fatiha bei den Menschen "am Rande" zu einem Tee eingeladen wird, sollte ihn mit 50 Dirham "besser" bezahlen als im Café. Und wer mit einem großen Wohnmobil anreist und die Möglichekit dazu hat: Auch über Klaus können Kleiderspenden weitergeben werden - ohne damit der Kleiderkammer von Thomas Friedrich und anderen Hilfsprojekten Konkurrenz machen zu wollen. Aber da bisher nur sehr wenige Touristen diese Region Marokkos besuchen, werden Figuig und Bouarfa nicht gerade von Hilfslieferungen überschwemmt.

Aber: Nicht einfach so Kugelschreiber, Geld, Bonbons oder was auch immer verschenken!!!!! Damit würde nur die unselige Bettelkultur gefördert, die in anderen Regionen Marokkos ebenso verbreitet wie lästig ist und die es hier bisher überhaupt nicht gibt!

Nun zur Besichtigung der Oasenstadt Figuig:

Einen französischsprechenden Führer kann man über das Hotel Figuig buchen. Wer eine deutschsprachige Begleitung wünscht, sollte sich möglichst schon vor der Abreise per E-Mail bei Klaus Fuchs klausjfuchs@yahoo.de melden - vielleicht hat er Wünsche, was man ihm aus Deutschland mitbringen könnte. Ansonsten sind er und Miluda über die marokkanische Festnetz-Nummer 00212-536 89 80 74 zu erreichen. Vom 5. Januar bis 5. März 2010 ist Klaus in Deutschland, aber dank guter Deutschkenntnisse kann auch Miluda die Begleitung und Erklärung übernehmen, wie wir aus eigener Erfahrung bestätigen können.

Der erste Ausflug führt uns in den "Palmenwald" zu dem Punkt, der Figuig zur Sackgassenstadt macht:

Der Grenzübergang nach Algerien, geschlossen wie alle Landübergänge zwischen beiden Ländern seit Anfang der 90er Jahre (Reisen mit Flugzeug und Schiff zwischen beiden Ländern sind möglich)! Wir dürfen direkt an die Absperrung fahren und mit ausdrücklicher Genehmigung des marokkanischen Grenzwächters dieses Foto der algerischen Abfertigungsanlage machen - drei Durchgänge für die Ausreise und drei für die Einreise - nur die marokkanischen Gebäude neben unserem Wohnmobil dürfen nicht mit drauf. Der benachbarte Ort auf der algerischen Seite gehört historisch mit zu dem Oasengebiet von Figuig und es gibt viele verwandtschaftliche Beziehungen - aber legale Besuche sind unmöglich. Das es in der Praxis sehr intensive Beziehungen über die Grenze hinweg gibt, zeigen die Produkte wie der geschmuggelte Diesel, die schon seit dem Verlassen von Saidia an der gesamte Strecke angeboten werden.

Leider können auch Touristen die Grenze nicht legal überqueren, obwohl man über die Nationalstraße auf der anderen Seite rasch in die Zentralsahara gelangen könnte.

So fahren wir denn einige Kilometer zurück, biegen weisungsgemäß nach links ab und erreichen diesen kleinen Platz. Zu diesem Zeitpunkt noch völlig orientierungs- und ahnungslos steigen wir aus und folgen Miludas Anordnung: "Wir gehen jetzt da in das Haus."

Haus ist gut! Wir sind im Ksar Zenaga, der "überdachten Stadt", einem der sieben Ortsteile (Ksour) von Figuig. Kilometerweit ziehen sich diese Gänge mit immer neuen Abzweigungen hin. Ohne Führer(in) hätten wir den Eingang wohl nie gefunden.

Die Überdachungen werden mit Palmholz abgestützt, darüber werden die unteren Teile von Palmwedeln gelegt und darauf kommt der kühlende Lehm - denn der Sinn des Ganzen ist es, auch in der Hitze des Sommers und der Kälte des Winters erträgliche Temperaturen zu erhalten.

Hier ist gut die Dicke der Hauswände zu erkennen.

Damit es tagsüber etwas Licht in den Gängen gibt, wurden in unterschiedlichen Abständen Licht- und Luftschächte gelassen.

Wenn ein Haus nicht mehr bewohnt und erhalten wird, verfällt es in kurzer Zeit, da die Lehmziegel nicht gebrannt und somit nicht "regenfest" sind.

Manchmal sind die Abstände zwischen den Lichtschächten sehr groß und nicht nur die Kamera sondern auch die Augen haben Mühe, sich an die Finsternis zu gewöhnen.

So ist denn auch diese schön verzierte Tür in der Dunkelheit kaum zu erkennen, ich lasse aber absichtlich das Foto unbearbeitet "im Original" hier stehen.

Abends gibt es auch Straßenbeleuchtung in den Gängen, die wir bei Regen aufgrund des abgeleiteten Regenwassers nicht durchwandern möchten.

Die Straßenbeleuchtung ist bei Dunkelheit sicher wichtig und ständige Aufmerksamkeit des Besuchers auch am Tage erforderlich, denn es herrscht reger Verkehr nicht nur von Fußgängern, sonder auch von Eselkarren, ...

... Radfahrern, die nur ausnahmsweise ihr Fahrrad schieben, ...

... und Moped- und Rollerfahrer, die in den breiteren Gängen die Garage direkt vor der Haustür haben.

Letztlich führt Miluda uns wieder zum Ausgangspunkt der Wanderung am grünen Dorfplatz von Zenaga mit seinen Cafés, ...

... von wo wir vorbei an grünen Oasengärten zunächst das Haus von Klaus und Miluda für eine kurze Pause ansteuern. Danach sehen wir beim Marsch durch die Oasengärten entlang an den Bewässerungsleitungen fast nur noch grün, was wir ebenso wie den Blick in die ehemalige gut erhaltene Kirche und anderes auf der nächsten Fotoseite in Wort und Bild dokumentieren.

Falls Sie über eine Suchmaschine oder einen externen Link direkt auf diese Seite gekommen sind: Hier gibt es den vollständigen Reisebericht "Überwintern in Marokko 2009/2010".

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