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Workcamp - Urlaub in Marokko

Zwei junge Frauen aus Bad Salzuflen machten sich im Sommer 2004 auf den Weg nach Marokko, um hier zwei Wochen in einem Workcamp mit Teilnehmern aus verschiedenen Ländern zu arbeiten und Land und Leute kennenzulernen. Der Einsatz wurde durch Ausflüge nach Safi und Marrakesch ergänzt. Hier ihr Reisebericht:

Es war im Februar 2004, als wir, zwei 18jährige Schülerinnen des Rudolph-Brandes Gymnasiums in Bad Salzuflen, im Kunstunterricht nach einem Gesprächsthema suchten und uns schließlich für Marokko entschieden. Dahin sollte nämlich unser nächster Sommerurlaub gehen, der in den folgenden Kunststunden immer klarere Formen annahm.

Während unser Kunstlehrer sich sehr interessiert zeigte und uns in unserem Entschluss unterstützte, steigerte sich die Panik unserer Klassenkameraden, die sich Horrorszenarien ausmalten und damit rechneten, nach den Sommerferien nicht uns, sondern eine Herde Kamele anzutreffen, die als Bezahlung dienen sollten.

Unsere Organisation war leider alles andere als organisiert, denn wir hatten uns über die erstbeste Internetadresse bei einem Workcamp in Essaouira angemeldet, ohne zu wissen, wie unsere Unterkunft oder die zu leistende Arbeit aussehen werde und wie wir überhaupt dahin kommen sollten. An die Organisation Pro International überwiesen wir 90 Euro und verpflichteten uns zu zwei Wochen Freiwilligenarbeit im Gegenzug zu Kost und Logie.

Um den Flug und die weitere Anreise hatten wir uns selbst zu kümmern und trotzdem kamen wir am 3. August in Agadir an...

„Los, sag mal irgendwas“ - „Ja, was denn?“ – „Egal, irgendwas, Hauptsache die denken nicht wir sind sauer oder müde. Erzähl mir irgend `nen Scheiß, hier versteht uns ja eh keiner.“

So oder ähnlich begann der Großteil unserer Gespräche, die wir während unseres dreiwöchigen Abenteuerurlaubs in Marokko führten. Der Grund dafür war, dass die Marokkaner, kaum hielt man einen Moment in seinem Redefluss inne, dachten, man fühle sich nicht wohl und sich so dazu verpflichtet fühlten, einen in ein Gespräch zu verwickeln. Wir waren also stets bemüht sogenannte Alibigespräche mit einem äußerst geringen Informationsgehalt in Gang zu halten.

Sowieso haben wir die Marokkaner als ein äußerst hilfsbereites und kontaktfreudiges Volk kennengelernt. Okay, zugegeben, wir haben fast ausschließlich den männlichen Teil der Bevölkerung kennen gelernt, da die marokkanischen Frauen den größten Teil des Tages am heimischen Herd und mit einer Schar von Kindern am Rockzipfel verbringen. Auf den Straßen sind sie, vor allen in den Cafés, in denen die Männer wie auf Tribünen thronen und das Treiben in der Stadt beobachten, eindeutig in der Minderheit. Teils tragen sie zwar moderne westliche Kleidung, meistens sind sie jedoch verschleiert und es ist nichts mehr von ihnen zu sehen, als ihre reich mit Henna verzierten Knöchel und Füße.

Auch wir konnten der Versuchung nicht widerstehen und ließen uns an einem Gnawa-Abend eine zierliche Blumenranke auf den Handrücken malen.

„Zu Gnawa kann man nur tanzen, wenn man so bekifft ist, wie Guerric“. Alle anderen saßen oder lagen auf Kissen gebettet in einem Meer von Kerzen, von duftenden Weihrauchschwaden umhüllt und schlürften genüsslich ein Gläschen des typischen aromatischen Minztees, der zur Hälfte aus Zucker besteht und aus deren Zubereitung die Marokkaner jedes Mal eine bedeutende Zeremonie machen.

Wir bewundern aufrichtig den Enthusiasmus, den die Marokkaner für diesen unmelodischen Lärm „Gnawa“ aufbringen können. Er wird mit scheppernden Blechschellen erzeugt, zu denen ein Sänger improvisiert. Diese Musikrichtung hat in Essaouira eine Hochburg. Jeden Abend finden riesige Gnawa-Festivals am Strand und auf dem Place Mulay Hassan statt.

(Ein von Webmaster aufgenommes Video mit Gnaoua-Musik gibt es beim Klick auf folgenden Link: Hier ein MPEG-Video (36 Sek - 1,40 MB.Den Bericht zu der Wüstentour im Erg Chebbi, bei dem das Video entstand, auf dieser Seite.)

Essaouira ist die Stadt, in der wir in den zwei Wochen unseres Workcamps gelebt haben. „Sie ist auf den Felsen an der Küste gebaut. Kein Tourist sollte es versäumen, die ehemals portugiesische Stadt zu besuchen. Attraktionen sind der Fischerhafen mit Werft, die portugiesische Festung, die rote Stadtmauer, die vollständig erhaltene Altstadt, die stark andalusisch geprägt ist[...] Weiße, zweistöckige Häuser mit grün und blau eingefassten Türen und Fensterrahmen und runden, gelb eingefassten, Torbögen umsäumen die Medina[…]. Die Altstadt von Essaouira ist eine einzige Boutiquenlandschaft mit einem unvergleichlichen Angebot an künstlerisch wertvollen Objekten[...]“

Der Meinung der Reiseführer-Autorin können wir uns voll und ganz anschließen, denn auch wir waren vom ersten Moment an beeindruckt und fasziniert von der Atmosphäre in der Medina, der zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Menschenmassen überströmten Innenstadt mit ihren tausenden bis an die Decke gefüllten Läden. Hier findet man alles. Von zur Schau gestellten aufgeschlitzten Tierkadavern gleich neben der Konditorei, bis zu den zahlreichen Babouche-Geschäften, in denen man von der Vielfalt und der Masse von bunten Bast- oder Lederpantoffeln fast erschlagen wird.

Noch völlig überfordert von den vielen neuen Eindrücken, wird man auch schon von den geschäftstüchtigen und aufdringlichen Verkäufern in Beschlag genommen oder auch unter Schlagrufen wie: „Ici les plus beaux!“, „Ici les moin chers bijoux! oder „C`est tout berbère, pas de plastique!“ in die Geschäfte gezogen. Alle Verhandlungsgespräche mit Verkäufern laufen nach folgendem bestimmten Schema ab: Zuerst wird die Frage der Nationalität geklärt, wobei die erste Frage immer lautet: „Bonjour les gazelle, vous-etes francaises?“. Kann man sie davon überzeugen, dass man keine Französin, keine Holländerin und auch keine Engländerin ist, sondern deutsch, verblüffen sie mit den ausgefallensten deutschen Sprichwörtern oder Redewendungen. Hat man erstmal angebissen und auch nur das geringste Interesse an einer Ware gezeigt, so lassen sie nicht mehr locker. Als erstes wird uns, als „dumme[n] Europäer[in]“ Billigstes zu Wucherpreisen angeboten, doch gibt man vor, beim Konkurrenten kaufen zu wollen, so sinkt der Preis rapide. Hat man schließlich alles erstanden, was das Herz begehrt, kommt man völlig erschöpft und ausgebrannt ins Workcamp zurück. Dabei handelt es sich um ein relativ modernes Gebäude, jedenfalls im Gegensatz zu dem Workcamp, in dem wir anfangs irrtümlicherweise unterkamen (wir wussten nur in welcher Stadt es lag, hatten jedoch keine genaue Adresse).

Im Inneren erwartete uns nach einer Halle im westlichen Stil die wirklich ekelerregende Küche, -wobei die Kakalaken zwischen den Fliesen noch zu tolerieren waren- es war der permanente Gestank nach verfaulten Fischen, der uns sehr zu schaffen machte. Zwei von uns mutierten angesichts der mangelnden Hygiene im Camp sogar zu Vegetariern. Erstaunlicherweise tat es dem Appetit eines Großteils der Campbewohner keinen Abbruch, dass Fisch und Fettreste aus den Mülltonnen quollen und sich in den Ecken zentimeterhohe Abwasserpfützen sammelten. Die Atmosphäre wurde jedoch von der bloßen Anwesenheit des immer zu Scherzen aufgelegten „chef de cuisine“ erhellt .

Die Schlafplätze waren akzeptabel, sieht man von den vor Dreck stehenden Decken ab, die „mir echt zu ekelig waren, da hab ich mich lieber jede Nacht zu Tode gefroren“. (Der Gedanke an Betten liegt hier natürlich fern, wir schliefen auf der Erde.) Den Vogel schossen jedoch eindeutig die Toiletten ab. „Die Toiletten ?- EINE Toilette!!!!!!!!!!!!!!!!“ Es waren ja auch nur 25 Leute, von denen einige auf Grund der Nahrungsumstellung, übrigens Probleme mit der Verdauung hatten (aber das wollen wir nicht weiter ausführen) und die sich eine Toilette teilen mussten. Doch damit nicht genug, die Toilette entsprach keinesfalls dem, was man sich hierzulande darunter vorstellt, sondern war ein einfaches Loch im Boden, in das man übrigens wegen der Verstopfungsgefahr kein Toilettenpapier werfen durfte. Diese Vorsichtsmaßnahme trug leider keine Früchte, denn die Toilette war trotzdem alle zwei Tage verstopft. Man hätte sich auch gern öfter geduscht, doch leider befand sich die sogenannte Dusche, ein Duschkopf aus dem kaltes Wasser tröpfelte, in ein und derselben Kabine wie die schon beschriebene „Toilette“.

Jeden Morgen bildete sich eine lange Schlange vor der Tür, die man übrigens nach einer Weile nicht mehr abschließen konnte und so lernte man die Leute auf eine sehr intensive und persönliche Weise kennen. Es waren aus allen Ländern zusammengewürfelte Freiwillige und die Campsprache war überwiegend Französisch, aber auch Englisch, Spanisch, Baskisch, Japanisch, Arabisch und Italienisch.

Wir waren die einzigen Deutschen und unsere Gespräche wurden zwar nicht verstanden, doch häufig von Gueric mit Zwischenbemerkungen wie „ja, ja“ und „ach so“ kommentiert. Auf Grund seines vorhin schon angedeuteten Zustandes -"bekifft"- antwortete er auf alle Fragen mit einem resignierenden „Je sais pas“, auf das ein verträumtes Lächeln folgte. Kaoru, die Japanerin, sah auch durch andere Campmitglieder ihre Vorurteile über andere Länder bestätigt. So bestünde Deutschland praktisch nur aus Wald, die Deutschen äßen nur Kartoffeln und seien stets darauf erpicht, sich im Rahmen des Gesetzes zu bewegen und auch sonst alle Regeln einzuhalten. Die Franzosen schienen regelrecht stolz darauf zu sein, keine Sprache außer Französisch zu verstehen und auf die wohlgemeinten Bemühungen einer Spanierin, sich ihnen auf französisch verständlich zu machen, erwiderten sie unfreundlich und eingebildet: „Je ne parle pas l’ espagnol.“.

Die Arbeitsmoral im Camp war auch eher locker und bei einer Arbeitszeit von zirka 09:00 Uhr morgens bis mittags um 13:00 Uhr wurde sich schon mal zwei Stunden in die Sonne gelegt oder ins zum Nachbarhotel gehörende Café gesetzt. Das lag nicht nur daran, dass es nicht viel Sinn gemacht hat, Sträucher und Bäume aus dem Boden, der sich in einem kleinen Garten befand, der nur durch Mauern vom Strand getrennt war, zu reißen und danach alles brach liegen zu lassen oder die Mauern eines Jugendzentrums bis auf Schulterhöhe mit Farbe zu bekleistern, die fast ausschließlich aus Wasser bestand, sondern auch daran, dass wir als Arbeitsmaterial nur zwei morsche Schippkarren, 5 Schippen und 5 Pinsel zur Verfügung hatten.

Unser Responsable gab zwar ein paar Anweisungen, was zu erledigen sei, doch verhielt er sich wenigstens im Bezug auf die Organisation der Arbeit ausnahmsweise mal zurückhaltend, was sonst nicht gerade eine seiner ausgeprägtesten Charaktereigenschaften war.

„Wenigsten sind wir an der frischen Luft“, dieser Gedanke hielt uns aufrecht, wenn wir, vollgekleckst von oben bis unten mit weißer Farbe, unsere Pinsel schwangen, Hundebabies in einem Dornengestrüpp fanden, Mäuse und faustgroße Käfer aus dem lockeren Boden buddelten oder verrostete Stangen und Drahtgestelle, an denen mit Müll gefüllte schwarze Plastiktüten hingen, mit bloßen Händen zur Entsorgung an die Straße schleppten, während andere Campteilnehmer sich auf Grund des Staubs eine ansteckende Augenkrankheit geholt hatten, und sich im schummerigen Schlafsaal liegend auskurieren mussten.

In Essaouira besuchten wir, da uns die bereits zur Genüge beschriebenen sanitären Anlagen nicht gerade dazu einluden ausgiebig der Körperpflege nachzugehen, auch einen Hammam, ein marokkanisches Waschhaus. Wir hatten zwar zuvor in unserem Reiseführer darüber gelesen und auch schon von einigen anderen Campmitgliedern etwas darüber in Erfahrung gebracht, doch waren wir trotzdem überrascht, als wir von der mit lärmenden Menschenmassen überfluteten Straße in das ruhige, wohlriechende Gebäude traten. Der Gegensatz zwischen den fast bis zur Unkenntlichkeit verschleierten Frauen in den Gassen hätte nicht extremer sein können, denn hier präsentierte man sich ganz einfach völlig nackt und auch uns wurden, kaum waren wir eingetreten, die Kleider vom Leib gerissen. Jeder bekam einen eigenen Wascheimer, ein paar kleinere handliche Behälter zum Mischen des heißen Wassers mit dem Kalten und einen speziellen Waschlappen, mit dem die Haut massiert werden sollte und dann betrat man die Waschräume. Sowohl der Boden, als auch die Wände und die Decke waren gefließt und teilweise mit Mosaiken verziert. Dampfschwaden und Parfümgerüche zogen durch alle Waschräume, in denen kleine Kinder, junge und alte Frauen damit beschäftigt waren, sich ausgiebig zu waschen oder zu massieren. Während der erste Raum noch eine angenehme Temperatur hatte, wurde es im Zweiten schon sehr warm und im Dritten herrschte erdückende Hitze. Doch da man sich für jeden Raum genügend Zeit nahm, waren die Übergänge nicht so gravierend und man empfand die Atmophäre als sehr entspannend. Das wunderbare Gefühl der Sauberkeit hielt jedoch nicht lange an, denn sobald man wieder auf die Straße trat, legte sich erneut eine Schicht aus Staub und Sand auf Gesicht und Arme, die Füße passten sich in ihrer Farbe sozusagen wieder an die Umgebung an und bis man im Camp eingetroffen war, waren auch die Anziehsachen wieder verschwitzt und dreckig.

Absolut erwähnenswert ist der Strand Lalla Fatna, den wir während eines Wochenendes in Safi, einer sehr schönen kleinen Stadt, die für ihre Töpferware bekannt ist, besuchten.

Direkt unterhalb eines Steilhanges erstreckt sich der einzigartig schöne Strand, der in Deutschland wahrscheinlich hoffnungslos von Touristen überlaufen gewesen wäre. Doch nicht so in Marokko. Wir verbrachten einen ganzen Tag im Sand liegend, stundenlang in den riesigen Wellen des glasklaren Ozeans schwimmend und die heißen Steine des Steilhanges erklimmend. „Hier ist es wie im Paradies.“ Und das ist kaum übertrieben, sieht man von einigen aufdringlichen Marokkanern, wie zum Beispiel unserem Responsable an, die es abzuschütteln galt. „Allein um diesen Strand zu sehen hat es sich gelohnt, nach Marokko zu kommen.“ Auch das ist war. Wer "the beach" gesehen hat, kann sich eine ungefähre Vorstellung von der atemberaubenden Schönheit und der vor Lebendigkeit sprudelnden Atmosphäre machen, die dieses Fleckchen Erde ausstrahlt.

Nach den zwei Wochen im Workcamp hatten wir noch ein paar Tage Zeit, um allein durchs Land zu reisen. Wir wurden von Kaoru aus Japan, Luco aus Kolumbien, Ixone aus dem Baskenland und Brigida aus Italien begleitet. Schließlich landeten wir auf einer Dachterrasse in Marrakesch, auf der wir für umgerechnet 2,50 € pro Tag und Person unter freiem Himmel und in ständiger Angst um unsere Koffer, die wir nirgends einschließen konnten, schliefen.

Auch auf den anderen Hotels der Stadt, über die wir von unserem Schlafplatz aus einen tollen Überblick hatten, befanden sich Dachterrassen, auf denen tagtäglich neue Rucksacktouristen aus den verschiedensten Ländern der Welt eintrudelten. Hier trafen wir auch das erste Mal andere Deutsche, die wir jedoch kaum besser verstanden, als die Franzosen und Marokkaner, da sie einen starken und undefinierbaren Dialekt sprachen.

Die erhöhte Lage unseres Wohnortes machte das Ertragen der glühenden Hitze nicht unbedingt angenehmer. Noch dazu gab es ja kaum Schatten auf dem Dach. Die Temperaturen von mindestens 50°C waren zwar auszuhalten, doch wenn von Zeit zu Zeit etwas Wind wehte, wurde es nur noch heißer, denn der Wind kam direkt aus der Sahara und brachte feinen Sandstaub mit, der sich in den Augen festsetzte. Die Marokkaner verbrachten die Mittagszeit deshalb auch meistens im Haus oder wenigstens im Schatten und bewegten sich nicht viel, doch wir waren noch total motiviert und unternehmungslustig und liefen von einer Sehenswürdigkeit zur Nächsten.

So besichtigten wir beispielsweise „les jardins de Majorelle“, die Gärten, die ein Franzose vor über hundert Jahren angelegt hat und die mit Pflanzen aus der ganzen Welt wie eine Oase wirken in der sonst so trockenen und kargen Stadt.

Wir waren völlig ausgehungert nach Grünpflanzen und liefen stundenlang in diesen wunderschönen Gärten herum, badeten unsere Füße im Brunnen, bestaunten die farbenfrohen Blumentöpfe und das blaue Haus und verschossen unzählige Fotos.

Marrakesch kann man mit keiner europäischen Stadt vergleichen. Wenn es auch der Wohn- und Arbeitsort von Millionen ist, so herrscht hier Wüstenatmosphäre und erst spät abends kommt Leben in die Straßen, deren Zentrum der Platz Djemâa el –Fna ist. Sobald die Sonne untergeht verwandelt er sich vom sandigen Platz, auf dem man vor Hitze kaum die Augen öffnen kann, in einen brodelnden Hexenkessel; schon von weitem hört man den Rhythmus der zahlreichen Trommeln, riecht die vielen tausend Speisen, die auf den Grills zubereitet werden und sieht den zum Himmel aufsteigenden Rauch, der alles in ein undurchdringliches Wabern hüllt. Menschen drängen sich zwischen den Schlangenbeschwörern, Zauberkünstlern, Artisten und Wasserverkäufern durch und an Schlaf ist während der ganzen Nacht nicht zu denken.

Um einmal etwas aus der brütenden Hitze Marrakeschs herauszukommen, schlossen wir uns spontan einer Gruppe von Franzosen an, von denen wir einen bereits aus Essaouira kannten und die wie wir vorhatten, die „Cascades d’ouzoud“ im hohen Atlas zu besichtigen. Von anderen Reisenden im Hotel hatten wir davon gehört, dass man dort in Wasserfällen nicht nur klettern, sondern auch baden kann.

Nach einer der üblichen Verhandlungen mit einem Taxifahrer, bei der der anfangs geforderte Preis auf die Hälfte sank, wurden wir zu viert auf die Rückbank eines klapprigen alten Taxis gequetscht, zwei Stunden durch die rostroten Geröllhänge des Gebirges kutschiert und in einem Flusstal wieder in die Freiheit entlassen. Durch glasklares Wasser, mit grünen Palmenharken an den Ufern, spazierten Touristen und Einheimische eines Dorfes, das wegen dieser Wasserfälle zu Ruhm gelangt war. Im seichten Wasser des Flussbettes badeten Kinder und an den Steilhängen am Wegrand floss eiskaltes Wasser aus dem Atlasgebirge über aufgebaute Pyramiden aus Getränkedosen. Selbst die Werbungmacher von Coca-Cola hätten keine erfrischendere und in sich stimmigere Kulisse zustande bringen können.

Anstatt gleich die Wanderung in Angriff zu nehmen, ließ sich der Rest unserer Gefährten nach bester Franzosenmanier erstmal ins Gras fallen und packte ein umfangreiches Picknick aus.

Eine mit Wanderstöcken ausgestattete Frau, die zielstrebig über die großen Steine im Fluss schritt, wurde schließlich nach dem besagten Weg zu den Wasserfällen gefragt und sich dann langsam in Bewegung gesetzt. Langsam wohlgemerkt. Wir zwei spazierten in einem immer größer werdenden Vorsprung den von den Franzosen angewiesenen Pfad empor, zwischenzeitlich von warmem Regen durchnässt. Immer karger und einsamer wurde die Landschaft. Ab und zu wurden wir von alten Menschen in noch älteren Karren überholt oder von kleinen Jungen auf Maultieren und eine Frage drängte sich immer deutlicher auf: „Wo sollen hier Wasserfälle sein?“ Weit und breit war weder ein Fluss zu sehen noch zu hören. In banger Voraussicht erkundigten wir uns bei drei sportlichen Marokkanern, die uns nach ein paar Stunden entgegenkamen und mussten die grausame Wahrheit akzeptieren: Wir waren tatsächlich einen halben Tag lang in die falsche Richtung gelaufen, die Wasserfälle hätten in zirka 20 Minuten Wegeslänge genau in der entgegengesetzten Richtung gelegen. Wir nahmen’s mit Humor, die Franzosen, die auch langsam angetrottet kamen, mit Gelassenheit: Sie ließen sich direkt am Rande des Abhangs mitten im Nirgendwo nieder, zündeten sich einen Joint an und verspeißten genüsslich zwei Wassermelonen, die sie doch tatsächlich den ganzen Weg mitgeschleppt hatten.

Im Bewusstsein, diesen wartenden Taxifahrer zu versetzen, erklommen wir letztendlich doch noch den richtigen Wasserfall. Über glitschige Steine und einer nach dem anderen, begleitet von einer Menge anderer Touristen, so dass unser aller Fazit am Ende war, dass die Bergwanderung , wenn sie auch letztlich nicht von Erfolg gekrönt war, viel beeindruckender war, als ein ganzer Tag an diesen menschenüberfüllten Reiseführervorschlagspunkt hätte sein können.

Die Rückfahrt von Marrakesch nach Agadir, wo sich der Flughafen befindet, gestaltete sich als krachendes und erschreckendes Ende dieses Abenteuerurlaubes. Ewig schien uns die Wartezeit im stickigen Bus, am nächtlichen Gare Routière, wo man wegen der Hitze nicht nur Schweißausbrüche, sondern fast schon Halluzinationen von eisgekühltem Wasser bekam und erst an einer Raststätte, die sich am Rand der zuckeligen Straße befand und aus ein paar Grillbuden bestand, konnten wir langersehnte Getränke erstehen. Schon völlig übermüdet und von der nächtlichen Hitze erschöpft wurden wir jäh von einem markerschütternden Knall erschreckt. Alle Passagiere strömten auf die Straße, wo sich der Grund für die Panik zeigte. Ein LKW war in einen Personenwagen gekracht, das er komplett unter sich begraben und dabei noch das Heck eines anderen Busses abgefahren hatte. Dass es Tote gab, sprach sich schnell herum; den Rettungsdienst anzurufen lag den Schaulustigen jedoch fern- das nächste Krankenhaus sei zu weit entfernt.

In Deutschland wäre vermutlich der Unfallort abgesperrt worden – nicht so in Marokko! Schon nach wenigen Minuten kurvten die nächsten Lastwagen und Autos um die Blechtrümmer und die wie aufgescheuchte Hühner umherlaufenden Passagiere herum und auch wir wurden zurück in den Bus gescheucht – das Leben geht weiter!

Der Rest der Fahrt verlief relativ ruhig und gemäß der Fahrpläne (was man von der Hinfahrt nicht behaupten kann, denn am Flughafen Düsseldorf verspätete sich der Abflug um 11 Stunden, worauf wir hier aber nicht näher eingehen möchten, denn das blieb zumindest einer von uns in keiner guten Erinnerung...).

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Fazit über unsere gesamte Reise und der gutgemeinte Tipp stehen, auch einmal nach Marokko zu reisen, doch ich fühle mich aufgrund der unendlich vielschichtigen und unterschiedlichen Eindrücke nicht imstande, das in Worte zu fassen. Das fängt an bei totaler Panik und schrecklicher Angst, wenn man seine Nacht als einzige Europäerinnen auf einem Busbahnhof verbringen muss, auf dem es von äußerst zwielichtigen Gestalten nur so wimmelt und endet bei totaler Begeisterung über die herzliche Gastfreundschaft der Marokkaner, das ausgezeichnete Essen und den traumhaft schönen Ozean.

Auf jeden Fall sollte man sich von den schaurigen Geschichten über das spurlose Verschwinden von Touristen, die man vor seiner Reise von all seinen Freunden, Verwanten und Bekannten ausführlich und immer wieder erzählt bekommt, nicht den Mut nehmen lassen und so eine erlebenswerte Erfahrung missen.

Hinweise des Webmasters auf LITERATUR UND REISEFÜHRER ZU MAROKKO:

Erstmal der Hinweis auf ein tolles Buch mit Geschichten von Rolf und seinen Erlebnissen mit dem erfundenen Taxifahrer Achmed, die einem so oder so ähnlich überall in Marokko passieren können. Zum Lesen vor der Reise, während der Reise oder nach der Reise geeignet - einfach Klasse:

Rolf-Dieter Venzlaff:

Achmed und der Fisch aus Tinte

60 und eine Geschichte aus Marokko

Als Buch vor der Reise wie auch nach der Reise ist ebenfalls dieser Fotobildband mit vielen Informationen geeignet:

Christian Heeb, Bettina Winterfeld:

Marokko

Der folgende Reiseführer von Edith Kohlbach ist klein und handlich mit allen wichtigen Strecken - für den schnellen Überblick zur Vorbereitung und unterwegs ideal.

Mobil Reisen

Edith Kohlbach:

Marokko

Sie hat auch eine eigene Homepage mit aktuellen Informationen und Links zu Marokko und Tunesien: http://www.edith-kohlbach.de/

Das Standardwerk von Erika Därr mit 1001 Detailinformationen ist unseres Erachtens zur Vorbereitung und während der Tour einfach unentbehrlich. Für die Grobplanung während der Tour und den Gesamtüberblick vor der ersten Reise ist aber der Kohlbach-Führer besser. Beide ergänzen sich ideal.

Das folgende Buch mit wichtigen Hintergrundinformationen zu Kultur, Religion und Land und Leuten haben wir vor Reiseantritt zu Hause gelesen und würden das auch jedem Marokko-Reisenden empfehlen, der nicht beim ersten Kontakt mit Marokkanern ins Fettnäpfchen tapsen möchte.

REISE KNOW-HOW

Muriel Brunswig:

KulturSchock Marokko.

Das hilft in jedem Fall, wenn man nach einem bestimmten Wort sucht:

Langenscheidts Taschenwörterbuch

Deutsch-Arabisch, Arabisch-Deutsch

Untentbehrlich - eine gute Strassenkarte: Sie war im wesentlichen fehlerfrei, nur der Strassenzustand war dank der rasanten Entwicklung in Marokko oft besser, als wir nach der Karte erwartet hätten! Mit diesem "Fehler" konnten wir natürlich gut leben. Der Maßstab 1 : 2 500 000 bezieht sich auf die Westsahara, was auch völlig ausreicht, da es hier nur zwei befahrbare Strassen gibt!

RV Verlag

Marokko 1 : 800 000 / 1 : 2 500 000

Wer sich ausführlich über den Islam, die aktuellen Entwicklungen sowie die Geschichte des Islam mit seinen verschiedenen Strömungen informieren möchtet, findet hier zwei aktuelle Bücher:

Piper-Verlag

Gilles Kepel

Die neuen Kreuzzüge

Palmyra-Verlag

André Miquel

Der Islam

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